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Michael Schütte:
Normalsozialhilfeempfänger |
| Sehr geehrter Herr Bundesminister, |
| mein Name ist Michael Schütte, ich stamme aus Berlin, lebe seit fünf Jahren in Wien, war über ein Jahr obdachlos und bin Verkäufer der Boulevardzeitung Augustin. Ich bin 54 Jahre alt. |
| Als ehemaliger Arbeitgeber und nunmer seit fünf Jahren von sogenannter Armut Betroffener habe ich mir folgende Gedanken gemacht. Gedanken, die mir tagtäglich in verschiedenster Form begegnen: |
| Thema Freifahrt |
| Der "Normalsozialhilfeempfänger" bekommt keine Ermäßigung bei der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sogar Fehlinformationen seitens des ORF wird hingenommen. In einem Beitrag hieß es: "Sozialhilfeempfänger erhalten, wie schon jahrelang üblich, Fahrscheine zum Halbpreis." Richtig ist: Besitzer eines Sozialpasses erhalten diese Ermäßigung. Und diesen Sozialpass erhalten Personen mit Bezug einer Pension oder einer Sozialhilfe-Dauerleistung. Das Schlimmste ist jedoch, dass Arme, wirklich arme Menschen, die sich manchmal tatsächlich keinen Fahrschein leisten können, mit einer GELDSTRAFE belegt werden. Sinnlos. Und warum müssen sie mit den Öffis fahren? Oft, weil das AMS sie zu Vorstellungsgesprächen ZWINGT! Laut Bürgermeister Häupl ist das nicht leistbar. Allerdings für Studierende im Wintersemester schon. Eine Begründung für die Ablehnung von Freifahrt oder zumindest Ermäßigung für Obdachlose ist seitens der FPÖ die Belästigung der Fahrgäste durch "stinkende, betrunkene Sandler". Mag sein, dass ich davon zwei oder dreien im Jahr begegne. Dafür aber täglich lärmenden Jugendlichen, für die "die Freifahrt sinnvoller wäre". Inzwischen ist ja eine Diskussion angelaufen, man wird sehen. |
| Und nun zum Thema AMS |
| Ende April stehen 219.375 Arbeitsuchende 41.597 offenen Stellen gegenüber. Offene Stellen, doe von ExpertInnen, Berufserfahrenen, Jungen! (bis ca. 35) besetzt werden könnten. Kein Einzelfall sind 600! BewerberInnen für EINE Putzstelle. Wie fühlt sich das an? Und wie werden die BewerberInnen vom AMS-Berater behandelt, wenn sich der potentielle Chef weigert, die Bewerbung zu unterschreiben? BEZUGSSPERRE! |
Ein eindeutiger Gesetzesverstoß, da Arbeitslosengeld und Notstandshilfe Versicherungsleistungen sind. Täglich hundertfach Gesetzesverstöße, gegen sie sich ein nicht informierter Arbeitsuchender nur schwer wehren kann. Denn die Information wird ihm durch Willkür oder auch Unwissenheit des Beraters vorenthalten. Sämtliche Prozesse vor dem Verwaltungsgericht wurden von den Betroffenen gewonnen. Arbeitsbeschaffung für Richter? Die auch noch Steuergeld kostet. |
| Aber was nützt es, wenn man sich wochenlang ohne Geld (und von 500 Euro kann niemand etwas sparen) gegen die Willkür wehren muss. |
| Sehr interessant ist auch die Situation der Sozialhilfeempfänger |
| Für sie gilt scheinbar das Datenschutzgesetz nicht. Bei Arztbesuchen ohne E-Card haben die Sprechstundenhilfen nichts Besseres zu tun, als auf den gelben Zettel hin zu weisen: "Ah, sie haben keine E-Card..." Namentlich bloßgestellt. Ähnlich auch bei vielen Ämtern. Namentliche Aufrufe. Verstöße gegen das Recht auf Datenschutz und gegen die Menschenwürde. |
| Die BeraterInnen sprechen oft von ihrer dreijährigen Ausbildung und fühlen sich kompetent. WIR haben tägliche Weiterbildung und wollen nur unsere Rechte gewahrt wissen. |
| Und jetzt zu den obligatorischen Kursen |
| Angeboten vom AMS. Sehr viel Geld für oft sinnlose Kurse. Nur um die Statistik zu schönen. Was soll ein Dolmetscher im Englschkurs? Was soll ein Informatiker im ECDL? Wiese werden mehr Floristinnen geschult als es Blumenläden gibt? Wiese lachen diei Personalchefs einen aus, wenn man die angebliche Befähigung vorlegt? |
| Wiese werden von der EU geförderte Projekte vom AMS abgewürgt? |
| Viele Fragen, wenig Antworten. |
| Lieber Herr Minister... |
| das Dumme an uns ist, dass wir nicht dumm sind,. Wir sind sehr an sinnvoller Unterstützung interessiert und würden gerne erfahren, was wir tun können, um die Situation zu verbessern. |
| Motivation anstatt Frustration wäre ein möglicher Weg. |
| Als Kernproblem stellt sich immer wieder die fehlende Information heraus, die Betroffenen einfach nicht zugänglich gemacht wird. |
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| Link |
| Augustin |
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